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28. Juni 2015

Nepallauf 2015

Im Verlaufe der letzten Wochen ein paar kleine Sponsoren gefunden, die Erfahrungsschublade Ultralauf hervorgeholt und die Tasche gepackt ging es Freitag Mittag im lockeren Stil rund zweieinhalb Stunden nach dem Start im Laufschritt auf die erste Runde des 3. Nepallaufs in Clausthal-Zellerfeld. Das Wetter präsentierte sich mit schwüler Wärme und trockener Luft über der 400 Meter langen Runde, welche eine Tartanbahn und eine kurze steile Bergabkurve gefolgt von einer abfallenden Rasengerade auf einen Rasensportplatz bis hin zu einem kurzen steilen Wiesenanstieg zurück über Asphalt ihr Eigen nennen konnte. Den abwechslungsreichen Untergrund die ersten dreißig Runden warmgelaufen, folgte die erste kleine Pause in der schon einmal provisorisch mächtig Heilsalbe für die anstehenden Blasen an den Füßen verlegt wurde. Weiter lief es bis Runde 60 gut voran und eine weitere kleine Pause mit schmaler Speise folgte. Nur rund zehn Runden später schlug nun das erste Tief ein, welches wahrscheinlich einer zu geringen Flüssigkeitszufuhr verschuldet war und deshalb erst einmal mit einem ordentlichen Dextro Energy Cocktail weggespült wurde. Wenn auch nur sehr langsam,  ging es nach zwei durstigen Runden im schleppenden Tempo mit dem Laufen weiter, um unbedingt ohne weitere Pause Runde einhundert zu erreichen. Das fehlende Lauftraining zeigte sich früh, sodass schon vor Erreichen der einhundertsten Runde jeder Schritt des noch jungen Laufs zu schmerzen begann. Dennoch ausschließlich mit Laufen bis Runde 100 vorgekämpft, wurde die erste hart ersehnte Pause eingelegt, in der das Verspeisen von Eiscreme und das Anlegen eines Tapes nicht fehlen durften. Mit den ersten Runden im Gehen ging es in den späten Abend, der langsam kühlere Luft herbeibrachte und durch die Jahreszeit ziemlich spät in die Dunkelheit überging. Voll auf das neue Ziel Runde 150 ohne größere Pause zu erreichen fokussiert, war an Laufen kaum noch zu Denken, denn die Radfahrerbeine waren schon längst alles Andere als locker und wollten selbst im Gehtempo einzig und allein unter Qualen bewegt werden. Die Steigungen der Runde bergauf und bergab nehmend ging es auch sonst bergauf und bergab, sodass die ersten kurzen Powernaps schon recht früh genommen werden mussten, um überhaupt weiter in die Nacht vorrücken zu können. In tiefer Dunkelheit wurde Runde 150 Nachts gegen zwei Uhr erreicht, um Körper und Geist vor dem anstehenden Kampf gegen die Müdigkeit die vierte kurze Pause mit Speis und Trank zu gönnen. Zurück auf den von Scheinwerfen beleuchteten Rundkurs gekrochen, ging es weiter und die Rundenzeiten näherten sich den Umständen entsprechend wieder annehmbaren Zeiten. Der Plan die Müdigkeit ohne Bekämpfung mit Koffein auf einem Level zu halten ging auf, sodass kaum Sekundenschlaf eingriff und der Puls sich stabil im Spaziergängerniveau einpendelte. Einziges Problem waren die völlig verkaterten Beine, die nach weiteren knappen zweieinhalb Stunden den Weg zur nächsten kurzen Pause bei Runde 175 geschafft hatten. Vor Müdigkeit fast vom Stuhl gekippt ging es weiter auf die nächsten 25 einsamen Runden, die jetzt von Kälte und einsetzendem Regen geprägt waren. Den nächtlichen Dauerspaziergang mit Musik untermauert schien der mentale Kampf gegen Nacht und Beine nun aber bald fast geschlagen zu sein und es lief den Umständen entsprechend gut. Der Regen behielt überschaubare Ausmaße bei, sodass schon bald wieder ein paar Teile der Runden mit Laufen bewältigt werden konnten. Aus alten Zeiten wissend, dass es nach dem Morgen wieder mit dem Laufen gehen würde, wurde bei Runde 200 eine weitere Pause eingelegt, die nach ungefähr zwanzig Minuten durch den acht Uhr Schlag beendet wurde. Den anschließend sehr schweren Weg auf die Strecke zurückgelegt, setzte Starkregen ein, der diese völlig aufweichen ließ. Endlich wieder mehr als zwei Personen auf der Strecke, stellte deren nasse Bergabkurve nun ein echtes Hinderniss gegen die völlig zerstörten Beine dar. Ankämpfend gegen die kalte Luft und die in die Schuhe drückenden dicken Regentropfen begann ein echter Kampf gegen Wetter, Müdigkeit und die körperlichen Qualen. Wieder und wieder mussten kurze Powernaps her, der Körper war nicht mehr warm zu kriegen und an Laufen war plötzlich kaum noch zu denken. Vergeblich folgten längere Pausen mit anschließenden Versuchen trotz des starken Regens wieder in Gang zu kommen, doch alles half nichts. Nachdem der Regen ein letztes mal mit Regenschirm und neuen Klamotten bekämpft werden wollte, musste in der Hälfte der 218ten Runde stehend, völlig entkräftet gegen halb elf am Morgen der Lauf aufgegeben werden. Das eigene Körpergewicht kaum noch tragen könnend, wurden 27 Minuten für die ersten 200 Meter der letzten Runde benötigt. Trotz des verzweifelten Kampfes sind 217 Runden ohne Lauftraining eine sehr zufriedenstellende Leistung und ganz davon abgesehen der neue Streckenrekord. Hoffend etwas Gutes für die Erdbebenopfer in Nepal erreicht zu haben, gilt der Dank allen, die die Eigene Quälerei so gut unterstützt haben und den Sponsoren, die nun für die erlaufenen Runden spenden dürfen. Nachdem der wohl oder übel sehr tief sitzende Muskelkater ausgetrieben ist, geht es nächstes Wochenende in mit dem härtesten 24H MTB Rennen Deutschlands in die Wettkampfsaison 2015 !! :)
 

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