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05. Juni 2017

24H MTB SOLO WM 2017

Die Vorbereitungen zur 24H WM liefen turbulent ab: Davon ausgehend, dass der Start wie bei den meisten 24 Stunden Rennen am Samstag Mittag erfolgt, überraschte die Information, dass es Freitag um 10:00 Uhr losgeht eine Woche vor dem Start das Team. Es war keine aktuelle Ausschreibung auf der Veranstalter-Webseite auffindbar und Tag für Tag kleckerten über facebook-Quellen neue Botschaften ein, die Planänderungen erforderten. So waren die Hotels für die Anreise storniert und das Team auf einige unbequeme Nächte im Auto sowie weitere Einschränkungen vorbereitet. Am Donnerstag um 14:00 Uhr startete das Teamfahrzeug dann trotzdem auf alle Widrigkeiten vorbereitet Richtung Italien. Die fast staulose Fahrt führte in eine Straßensperrung in der Schweiz, welche die Überquerung des alten San Bernadino Pass auf über 2000 Meter Höhe erforderte. Fahrzeugführer wurden durchgewechselt und der Rest der Mannschaft versuchte Schlaf zu sammeln, sodass das Meer im italienischen Finale Ligure um 03:00 Uhr Nachts erreicht war. Es kostete wenig Zeit und das Teamfahrzeug war zur spartanischen Schlaflandschaft umgebaut bis dreienhalb Stunden später der Wecker klingelte. Die Startnummer abgeholt und das Fahrer Briefing besucht musste das fürs Rennen notwenige Equipment rund einen Kilometer weit in's Fahrerlager getragen werden, denn Fahrzeuge waren dort verboten. Darauf und auf den Komplett-Verzicht auf Strom war alles vorbereitet, sodass vor dem Start um 10:00 Uhr nach Wochen stressiger Vorbereitung noch eine halbe Stunde Entspannung übrig war. Starter aus aller Welt versammelten sich hinter der Startlinie, Zuschauermassen sämtlicher Nationalitäten übernahmen den italienischen Zuschauer-Modus und es wurde mit einem 500 Meter langen Trailrun gestartet, bevor es auf das Rad ging. Die Beine fühlten sich gut an und die erste Runde wurde auf der rund 10 Kilometer langen Strecke zurück gelegt. Rund 400 Starter in den Kategorien der Solo-Starter und 2-er Teams begannen nun mit dem Kampf um den Weltmeister-Titel, die Hitze stand in den Anstiegen, der Staub wirbelte und die technisch anspruchsvolle Runde zerstörte die ersten Anbauteile der Wettkampfmaschinen. Nach der ersten Runde nahm das Team seine Arbeit auf, reichte Getränke und Nahrung an und nahm Bekleidung entgegen. In der zweiten Runde bekam das Schaltwerk einen Schlag ab, was den Tritt im leichtesten Gang verhinderte, aber Dank dem Training im Fitnessstudio ließ sich das 34-er Kettenblatt immer noch herumdrücken. Es brauchte ein paar Runden und etwas Kettenöl, bis die Schaltprobleme gelöst waren. Es lief gut - Platz 12. Die vielen engen Kurven im Fahrerlager konnten schnell genommen werden, die tiefen Absätze in der ausschließlich aus Trails bestehenden Runde konnten locker heruntergepoltert werden und die verblockten Anstiege ohne Abzusteigen gefahren werden. Hier und da brauchte es einen Blick nach rechts auf das endlose Mittelmeer, um die Motivation ganz oben zu halten, aber es lief weiterhin Runde um Runde besser, bis sich gegen 15:00 Uhr leichte Erschöpfungs-Erscheinungen in der Nachmittags-Hitze breit machten. Für einen Powernap war vom Team alles vorbereitet, jedoch reichte ein kühlender Waschlappen schon aus, um wach genug weiter zu fahren. Jetzt war es an der Zeit, dass sich Kreislauf und Herz meldeten. Schließlich erschwerte der viele Staub in der Nase die Atmung und es waren bald die ersten hundert Kilometer mit fast 3000 Höhenmetern erlegt. Im gedrosselten Tempo drückten die Schmerzen im Herzen für eine Runde weniger und es ging langsamer weiter. Betreuer Steffen stand am letzen Anstieg der Runde parat um anzufeuern, konnte jedoch dem immer größer werdenden Druck im Brustkorb auch nicht entgegenwirken. Eine längere Pause musste her, denn Aufgeben sollte keine Option sein. Nach rund einer Stunde wurde der Rennbetrieb wieder aufgenommen. Die Schmerzen waren fast weg und auf der Runde war es deutlich leerer und angenehmer geworden. Schießlich hatten schon hier viele Fahrer das Rennen beendet. Trotz guter Beine im Anstieg taten die Abfahrten immer mehr weh und das vor allem in den Handgelenken. Hier wurde sich gegen den Schmerz gequält und soweit es möglich war im Anstieg Entspannung geschaffen. Ein Fahrfehler in einem sehr verblockten Teil des letzten Anstieges verursachte schließlich einen kleinen Sturz auf die linke Hand, der aber zuerst einmal scheinbar folgenlos blieb. Die Nacht brach herein und mit gezündeter Lampe ging es in die erste Runde in der Dunkelheit. Die guten Linien waren trotz des hellen Lichts in der staubigen Luft nicht mehr so gut zu erkennen, wie am Tag. Jede Abfahrt verursachte sehr starke Schmerzen, aber es sollte trotzdem weitergehen. Die letzte Abfahrt zum Fahrerlager endete in einem krampfhaften Schmerz in der linken Hand, der ganze Körper zitterte, die Augen tränten und der Lenker war kaum noch festzuhalten. Es musste eine weitere Pause her. Teamarzt Henning wurde angerufen, um die Empfehlung des Kühlens des Handgelenks einzuholen - Die verstreichende Zeit wurde für einen Powernap genutzt. Nach ewigem hin und her mit Lösungsansätzen für das Problem musste entschieden werden, dass die Weiterfahrt in der Nacht nicht mehr möglich ist. Zu gefährlich waren die Abfahrten, wenn man den Lenker selbst unter Schmerzen kaum noch festhalten konnte. In der Nacht verstärkte sich der Schmerz, aber auch die Motivation unbedingt irgendwie weiterfahren zu können. Teamchef Bert wurde um 1:00 Uhr für guten Rat angerufen und verkündete, dass er bei Kassel sei, um die Strecke für das Race across Germany in einigen Wochen abzufahren. Das zeigte noch einmal, wie groß die Motivation im Team derzeit ist. Die Beine waren bis hierhin gut, aber es war nicht mehr daran zu denken,  die Strecke mit der kaputten Hand zu fahren. Eine Lösung musste her: Es wurde entschieden, dass Rennen der WM nicht mehr fortzusetzen und dafür nächstes Wochenende bei einem anderen 24H Rennen den Start aufzusuchen. Im Ultracycling geht es darum immer weiter zu machen. Es ist sicher eine mutige, aber auch vernünftige Entscheidung gewesen das Rennen vorzeitig zu beenden. Das Team hat bis dato gekämpft und gute Arbeit geleistet. Manchmal geht es dennoch auch mit der Brechstange nicht weiter. Hinter der Entscheidung nächste Woche wieder bei einem 24H Rennen zu starten steht Mut, aber auch die Gewissheit noch nicht mit dem aufgehört zu haben, was mit viel Leidenschaft und monatelanger Arbeit vorbereitet wurde. Die Nacht im restlichen Rennen schliefen alle kaum und die Müdigkeit war trotz des Abbruchs groß. Am Meer war am nächsten Morgen nach dem Zielleinlauf der letzten Fahrer selbst nach zweienhalbstündiger Suche kein Parkplatz zu finden und so ging es Samstag Mittag zurück Richtung Deutschland in die Schweiz. Dort angekommen empfing das Team Karl Helpferer im Restaurant Zugerberg, welches seit einigen Jahren die Ultracycling-Projekte unterstützt. Nach vielen Geschichten und der ersten Nacht der Reise auf einer weichen Matratze ging es am Sonntag zurück in den Harz. Bei der Weltmeisterschaft in Italien konnten sicher viele wertvolle Erfahrungen gesammelt werden und es wurden viele richtige Entscheidungen getroffen. Es ist toll, dass das Team am nächsten Wochenende einen erneuten Start bei einem 24H Rennen möglich machen kann. Am Mittwoch wird das Handgelenk noch einmal einem medizinischem Check unterzogen, derzeit stehen die Zeichen aber schon gut. Das Equipment ist noch gepackt und die 24H Stunden Solo auf dem Mountainbike sollen noch gefahren werden - wenn auch leider nicht auf einer der brutalsten 24H Strecken der Welt in Italien !! :)
 

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